Schrecken

Oreophoetes peruana

Saussure, 1868
PSG-Nummer: 84


Vorkommen: Strauchvegetation der Bergwälder Perus auf verschiedenen Farnpflanzen

Haltung: In Glasterrarien ab einer Größe von 30×30×50 cm. Am Tag sollten Temperaturen von18−22°C herrschen, in der Nacht können sie auf 15°C sinken. Vorsicht ist im Sommer geboten, denn Temperaturen über 25°C dürfen nicht zustande kommen, da diese unweigerlich zu Todesfällen unter den Schrecken führt. Am besten zur Haltung ist daher Zimmertemperatur. Da eine Luftfeuchtigkeit von 80% am Tag, in der Nacht kann sie auf 90% erhöht werden, geboten werden muss, sollte man jeden Tag mit einem Zerstäuber ins Terrarium sprühen. Am besten sind dazu die Nachmittage geeignet, da am Vormittag oder am Abend die Häutungen stattfinden. Nymphen reagieren ziemlich schlecht darauf, wenn man nicht sprüht. Wird einen Tag mal nicht gesprüht, die Nymphe häutet sich aber in den nächsten Stunden und die Luftfeuchtigkeit liegt unter dem Optimalwert, bleiben die Nymphen bei der nächsten Häutung stecken. Das bedeutet dann meist den Tod der Tiere, von daher darf bei dieser Art nie vergessen werden zu sprühen. Trotzdem sollte ein Lüftungsgitter oben und unten vorhanden sein, da die Art auch gerne mehr Lüftung bevorzugt. Neben den Farnpflanzen, die als Futter dienen, muss keine zusätzliche Einrichtung vorhanden sein. Man könnte eventuell noch einige Kletteräste hinzugeben. Als Bodengrund eigenen sich Sand, Erde oder eine Mischung aus beidem. Auf den Boden können Springschwänze (Collembola) gesetzt werden, da diese Kot, Pflanzenreste und Schimmel beseitigen. Ein Tag/Nachtwechsel sollte eingehalten werden. Um die Temperatur nicht zu erhöhen, empfiehlt es sich auf eine Lampe zu verzichten. Zimmerlicht ist in den meisten Fällen ausreichend. Das Trinkbedürfnis wird durch ablecken der Tropfen von den besprühten Futterpflanzen gestillt.

Aussehen:
Männchen:
Die Männchen sind 55−65 mm groß und somit kleiner und schlanker als die Weibchen. Kopf, Thorax und Abdomensegmente sind klar abgegrenzt. Die Antennen können fast die doppelte Körperlänge erreichen. Die Männchen sind bis zur Imaginalhäutung farblich nicht von den Weibchen zu unterscheiden. Lediglich eine keulenartige Verdickung am Abdomenende unterscheidet das Männchen vom Weibchen, dieses Merkmal erkennt man schon nach der dritten Häutung.
Die Grundfarbe ist schwarz, mit gelbem Kopf (mit schwarzen Punkten) und Analteil, der Körperteil um die Beinpaare sowie die Kniegelenke sind ebenfalls leuchtend gelb. Auch an den Seiten befinden sich weiße Streiften. Die Männchen sind nach der Imaginalhäutung als ganzes kräftig Rot, manchmal auch Orange. Diese Färbung scheint bereits einige Stunden, bevor die alte Haut aufplatzt durch. Die Beine und Antennen bleiben schwarz, die Gelenke werden beige. Die schwarzen Flecken und Streifen der Weibchen sind bei ihnen nur als Schatten in der roten Körperfarbe zu erahnen.

Weibchen:
Die Weibchen sind 60-75 mm groß und somit größer und dicker als die Männchen. Die Färbung der Weibchen fällt sehr bunt aus, die Grundfärbung ist schwarz und am Rand sind gelbliche bis weiße Längsstreifen. Der Kopf und das Abdomenende sind meist orange und besitzen kleine schwarze Flecken. Alle Gelenke an den schwarzen Beinen weisen ebenfalls eine orange Färbung auf. Weibchen verändern auch bei der Imaginalhäutung ihre Farbe nicht.

Nymphen:
Die Nymphen sind ca.10 mm lang, sehr klein und zart, mit sehr dunkler Grundfärbung. Kopf, Beinansätze und Gelenke sowie der Analteil leuchtend gelb. Hinter den Vorderbeinen beginnt an der Seite je ein weißer Streifen, der am vorletzten Adomensegment endet. Kopf , Thorax,- und Abdomensegmente sind klar abgegrenzt. Die Antennen sind dunkel, mit kurz vor den Enden weiße Bänder. Die Augen sind schwarz. Die Nymphen verharren Tagsüber gerne völlig ausgestreckt und regungslos.

Die Farn-Stabschrecke ist flink, stabförmig und ungeflügelt und besitzt wie jede Gespenstschrecke drei Beinpaare.

Futter: Die Farn-Stabschrecken sind im Gegensatz zu vielen anderen Gespenstschrecken (Phasmatodea) ein wahrer Futterspezialist. Sie ernähren sich ausschließlich von verschiedenen Farnen. Nicht alle Tiere fressen alles gleich gern, deshalb sollte man ein wenig ausprobieren und abwechslungsreich füttern. Wenn man die Farne ins Wasser stellt, bleiben die Blätter länger frisch. Man muss aber darauf achten, dass keine Tiere darin ertrinken können. Bei mir haben sich dafür Orchideen- Röhrchen bestens bewehrt. Falls auf Farne aus dem Gartencenter zurückgegriffen werden muss, ist es unbedingt erforderlich den gekauften ganz zurückschneiden, da die frischen Triebe anschließend keine Pestizide mehr enthalten. Falls das missachtet wird, sterben die Farn-Stabschrecken höchstwahrscheinlich an den Pestiziden.

Sozialverhalten: Die Lebensweise der Farn-Stabschrecke ist sehr ruhig, sie ist sehr verträglich mit anderen Arten und ist nachtaktiv. Am Tag versteckt sie sich in Farnpflanzen. Das vorhandene Wehrsekret wird nicht gegen Artgenossen verwendet, sondern lediglich gegen Fressfeinde. Mögliche Feinde der Farn-Stabschrecken sind Vögel, Amphibien, besonders Froschlurche oder Reptilien, die in ihrem Verbreitungsgebiet vorkommen. Meist werden sie jedoch nicht angegriffen, da ihre auffällige Warntracht den Feinden zeigt, dass sie ungenießbar sind. Falls sie trotzdem angegriffen werden, können sie sich gut mit einem Wehrsekret zur Wehr setzen. Dieses Sekret wird aus zwei großen Drüsen aus dem vordersten Körpersegment in Tropfenform oder in einem dünnen und schnellen Strahl freigegeben. Das Sekret ist milchig und unangenehm riechen. Außerdem können die Farn-Stabschrecken die Freigabe des Sekrets steuern und aus den beiden Drüsen abwechselnd oder gleichzeitig freigeben. Der Strahl wird meist nach hinten gespritzt und ist mit dem freien menschlichen Auge nicht zu sehen. Die Inhaltsstoffe des Wehrsekrets sind Wasser und Chinolin, das beim Verdunsten des Wassers kurz als öliger Film auftritt. Das Sekret kann in den Augen brennen.

Nachzucht:Eine Woche nach der Imaginalhäutung werden beide Geschlechter der Farn-Stabschrecke paarungsbereit. Farn-Stabschrecken sind zur Parthenogenese fähig. Sind Männchen vorhanden und hat sich ein Paar gefunden, steigt das kleinere Männchen auf das Weibchen und die Kopulation beginnt. Die gesamte Paarung dauert bis zu 24 Stunden, anschließend steigt das Männchen wieder vom Rücken des Weibchens herunter. Zwei bis sieben Tagen nach der Paarung beginnt das Weibchen für ca. 3-4 Monate etwa 1−2 Eier pro Tag zu legen, die einfach weggeschleudert oder zu Boden fallen gelassen werden. Die Eier sind linsenförmig, sehr dünnwandig, kaum drei Millimeter lang, bis zu 2,5 Millimeter breit und durchschnittlich 6,3 Milligramm schwer. Aus diesen schlüpfen nach 3 bis 5 Monaten die 10 Millimeter langen Nymphen. Diese ähneln in der Färbung schon sehr stark den adulten Weibchen, auch können sie schon das Wehrsekret versprühen. Die Aufzucht kann im gleichen Terrarium mit den Imagines oder in einem kleineren separaten Behälter erfolgen. Von der Temperatur und Luftfeuchtigkeit her ändert sich nichts.

Lebenserwartung: Bis beide Geschlechter adult sind, benötigen die Weibchen 4 Monate und 7 Häutungen, anschließend leben sie noch 5 Monate. Die Männchen benötigen auch 4 Monate, jedoch nur 6 Häutungen. Nach der Imaginalhäutung leben sie weitere 4 Monate. Insgesamt beträgt die Lebenserwartung der Weibchen 9 Monate, die der Männchen 8 Monate.