Gottesanbeterin

Phyllocrania paradoxa

Burmeister, 1838
IGM-Nummer: 10


Vorkommen: fast überall in Afrika südlich der Sahara, Madagaskar

karte_paradoxa

Lebensraum: P. paradoxa bewohnt Sträuchern, Büschen und Bäume in trockenen Gebieten.

Haltung: Aufgrund der geringen Aggressivität kann man P.paradoxa gut in einer Gruppe halten. In einem 30×30×50 cm Terrarium kann man 5 Tiere halten. Die adulten Tiere sollten allerdings nach Geschlechtern getrennt werden, da die Männchen den oft stärkeren Weibchen zum Opfer fallen können. Die Gemeinschaftshaltung soll sogar besser als die Separierung sein, da die Tiere dann einen größeren Futterneid und Jagdinstinkt haben.
Wichtig ist auch der Standort des Terrariums. Auf der Fensterbank besteht bei Sonneneinstrahlung Überhitzunggefahr, auf dem Boden fühlen sich die Tiere unwohl und direkt neben dem Fernseher sollte das Terrarium auch nicht gerade stehen. Gottesanbeterinnen können sehr gut sehen, beobachten ihre Umwelt sehr genau und bevorzugen erhöhte Aufenthaltsorte.
Als Dekoration eignen sich besonders kleine Äste und Zweige, diese dienen als Klettermöglichkeit und werden zur Häutung benötigt. Dem natürlichem Habitat nachempfunden bieten sich hängende, verwelkte Blätter besonders an. Die Blätter und Äste sollten aber immer gründlich abgewaschen werden, wenn sie dann noch im Backofen bei 50°C getrocknet werden, schleppt man sich keine fremden Bewohner ins Terrarium mit ein.
Als Bodengrund können ein Erde-Sand-Gemisch und etwas Laub eingebracht werden. Ein Thermometer und ein Hygrometer runden die artgerechte Einrichtung des Beckens ab.
P. paradoxa benötigt tagsüber Temperaturen zwischen 22-28°C, punktuell unterm Spot bis 30°C. Nachts sollten diese nicht unter 20°C sinken. Die Beleuchtungsdauer liegt ganzjährig bei 12 Stunden täglich. Um einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus zu simulieren, empfiehlt sich der Einsatz einer Zeitschaltuhr. Als Licht- und Wärmequelle dient ein einfacher Halogenspot. Da Mantidenterrarien meist relativ klein sind, muss dieser natürlich außerhalb des Terrariums angebracht werden − sonst wird es zu heiß und für die Gottesanbeterin lebensgefährlich. Die Luftfeuchtigkeit sollte tagsüber bei ca. 50-60% liegen und abends auf 60-70% ansteigen. Es reicht aus, 3× pro Woche mit warmem Wasser zu sprühen, wobei es wichtig ist, Staunässe zu vermeiden.

Aussehen: P. paradoxa ist eine gut getarnte Blattnachahmerin, die viele Körperanhängsel hat und eine Krone trägt. Sie ist eine mittelgroße Mantidenart, bei der beide Geschlechter etwa 5 cm groß werden. Das Farbspektrum reicht von fast schwarz über braun und sandgelb bis grün. Dabei sind die Tiere aber nicht vollkommen einfarbig, sondern weisen eine Art Streifen- und Fleckenmuster auf ( welches aber nur bei genaum Hinsehen zu erkennen ist). Der Kopf läßt sich um fast 180° drehen. Die großen seitlich angeordneten Augen ermöglichen ein stereoskopisches Sehen und stellt das wichtigste Sinnesorgan bei der Jagt dar. Zwischen den Antenne befinden sich drei Punktaugen, mit denen Helligkeitunterschiede erkannt werden können.
Die Gechlechter sind bei P. paradoxa leicht ab L3 zu unterscheiden.

Weibchen:
Bei den Weibchen ist die Krone recht breit, nicht gezackt und weist mittig einen Linksknick auf. Dei Flügel reichen gerade so bis zum Adomenende. Weibliche Tiere sind flugunfähig. Der Körperbau ist breiter, stärker als beim Männchen. Das Nackenschild deutlich zu erkennen. Die adulten Weibchen sind meist dunkler als die Mächen in der Färbung. Die Weibchen sind 14 Tage nach der Imaginalhäutung paarungsbereit.

Männchen:
die Krone ist länger, schmaler und gezackt. Die Flügel gehen beim Männchen über das Abdomen hinaus und sie sind gute Flieger. Auch die Antennen sind beim Männchen wesentlich breiter länger als beim Weibchen. Der Körperbau ist insgesamt filigraner, das Nackenschild schmäler. Die Männchen sind etwa 7 Tage nach der Imaginalhäutung paarungbereit.

Jungtiere:
Die Jungen sind schwarz gefärbt und ahmen das Verhalten von Ameisen (Mimikry) nach.

Futter:P. paradoxa lebt raptorisch und lauert ihrer Beute auf. Sie fängt und frisst in der Natur alles was sie überwältigen kann. Da sie kein Gift zum töten der Beute besitzt und keinen gezieleten Tötungsbiss ausführt, wird die Beute bei lebendigem Leib gefressen. P. paradoxa ist auf Fluginsekten spezialisiert, wobei die Futtertiere stets der Größe der Gottesanbeterin angepasst sein sollten. Lebendfutter kann in Form von Drosophila hydei, Stuben-, Gold- und Schmeißfliegen, Falter und Motten, Heuschrecken, Spinnen,und Wiesenplankton gereicht werden. Kleine Jungtiere fressen Drosophila melangolaster und Springschwänze. Auf unbelasteten Wiesen (ohne Dünger, Pestizide, Autos, Industrie ⋅⋅⋅) oder im eigenen Garten kann man seinem Tier in den Sommermonaten ein sehr nährstoffreiches Futter selber fangen (Wiesenplankton). Wiesenplankton ist reich an Nährstoffen und durch die große Artenvielfalt ein sehr abwechslungsreiches Futter. Aber egal ob in der freien Natur oder im heimischen Garten − auch bei Insekten muss auf den Artenschutz geachtet werden!
Ihren Wasserbedarf deckt P. paradoxa durch das Aufnehmen der Sprühwassertropfen von Scheiben und Blättern.

Sozialverhalten: P. paradoxa ist eine verträgliche Art und droht eher selten. Die adulten Tiere sind standortstreuer als die Jungtiere. Die Männchen sind exzellente Flieger. P.paradoxa sind in der Lage, Insekten aus der Luft zu erbeuten. Charakteristisch ist das Wackeln des Abdomens bzw. das Hin- und Herschaukelns des gesamten Körpers beim Laufen. Diese Schaukelbewegungen erinnern deutlich an die Bewegung eines Blattes im Wind.
Die Männchen sind manchmal sehr schreckhaft und können (selten) sich zu Tode erschrecken. Häufiger aber stellen sie sich tot und warten bis der Auslöser des Schockes verschwunden ist. Die Weibchen drohen lieber als sich tot zu stellen.
Die frisch geschlüpften Larven von P. paradoxa verfolgen eine andere Taktik − sie ähneln optisch kleinen Ameisen und ahmen sogar deren Verhalten nach (Mimikry), was viele potentielle Angreifer abschreckt.

Nachzucht: Sobald die Weibchen paarungbereit sind, beginnen sie Pheromone zu versprühen. Man erkennt dies an den rhythmischen Pumpbewegungen des Abdomens. Nun kann das Männchen einfach zum Weibchen gesetzt werden. Die Kopulationsdauer liegt bei 3−4 Stunden. Die Weibchen legen ca. 10 Tage nach der Begattung die ersten Ootheken ab, welche sie an Ästen und Zweigen festkleben, seltener an Glasscheiben. In Abständen von 2 Wochen werden bis zu 10 Ootheken abgelegt. Zur besseren Aufzucht werden die Ootheken aus den Terrarium entferntund bei etwa 25°C und 60−70% Feuchtigkeit inkubiert. Nach etwa 4−6 Wochen schlüpfen die Jungtiere. Je Ootheke etwa 40 schwarze Larven. Die Jungtiere müssen gleich mit Drosophila melangolaster gefüttert werden. Nach ein bis zwei Häutungen bekommen die Larven die P.paradoxe typische Farbe.
Ältere Larven vertragen auch eine geringere Luftfeuchtigkeit und höhere Temperaturen. Am besten passt man die Haltungsbedingungen der Larven langsam denen der adulten Tiere an.

Lebenserwartung: Bis beide Geschlechter adult sind, benötigen die Weibchen 6 Monate und 7 Häutungen, anschließend leben sie noch 5 Monate. Die Männchen benötigen 6 Monate, jedoch nur 6 Häutungen. Nach der Imaginalhäutung leben sie weitere 2 Monate. Insgesamt beträgt die Lebenserwartung der Weibchen 11 Monate, die der Männchen 7 Monate.

Aggresivität: gering (adulte Weibchen von Männchen trennen)